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19. November 2010: Ball des Ehrenamts


 

Einen sehr großen Stellenwert in unserer Gesellschaft hat das Ehrenamt. Das wird zunehmend auch den Politikern bewusst. Die ehrenamtlichen Tätigkeiten sind so vielseitig wie die Aufgabengebiete. Zum 2. Mal wurde von der Stadtverwaltung ein Ball des Ehrenamtes veranstaltet. Unter den Preisträgern in diesem Jahr war der Ortswehrführer der Groß Breesener Feuerwehrkameraden.

 
In der Lausitzer Rundschau am 19. November war zu lesen:

Ministerpräsident Platzeck lobt ehrenamtliches Engagement der Gubener

 

Guben „Das Ehrenamt ist der ‚Kitt unserer Gesellschaft'.“ So formuliert es Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). In Guben sorgen mehr als 8000 Mitglieder in rund 100 Vereinen dafür, dass das kulturelle, sportliche - kurzum das gesellschaftliche Leben in seiner Vielfalt erhalten bleibt. Ihnen zu Ehren geht am heutigen Freitag der Ball des Ehrenamts in seine zweite Runde.

 

Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Bereits seit Monaten bereitet Cheforganisator Lutz Materne das Ereignis vor. Der Ball habe in diesem Jahr, in dem die Stadt ihr 775-jährigen Jubiläum gefeiert hat, eine besondere Bedeutung. Die Vereine in der Stadt würden alle ehrenamtlich geleitet. Das verlange viel Engagement von denen, die ein Ehrenamt bekleiden, so Materne. Das solle entsprechend gewürdigt werden.

 

»Angesichts dessen, was freiwillig Engagierte in Guben das ganze Jahr über auf die Beine stellen, ist die Veranstaltung eine würdige Geste des Dankes«, so Platzeck. Die Landesregierung habe sich den Leitspruch »Gemeinsinn und Erneuerung - ein Brandenburg für alle« gegeben. »Ich freue mich sehr, dass wir auch im jüngsten Freiwilligensurvey wieder bestätigt bekommen haben, dass Brandenburg in punkto Ehrenamt Spitze in Ostdeutschland ist. Und ich weiß, dass die Gubenerinnen und Gubener daran einen großen Anteil haben.«

 

Lutz Materne hätte den Ministerpräsidenten gern als Festredner gehabt. Anfang des Jahres hatte er ihn zu dem Ball eingeladen. Er kann aber nicht kommen. Stattdessen wird Tina Fischer, Staatssekretärin und Bevollmächtigte des Landes Brandenburg im Bund, die Festrede halten und die Auszeichnungen mit dem »Gubener Preis des Ehrenamtes« vornehmen.

 

Im Vorfeld der Veranstaltung hatte Platzeck angeboten, auf RUNDSCHAU-Fragen zum Thema zu antworten. »Haben Sie früher ein Ehrenamt ausgeübt? Üben derzeit Familienmitglieder ein Ehrenamt aus? Verhindert oder verdrängt ehrenamtliches Engagement mitunter auch reguläre Arbeitsplätze? Wie stellen Sie sich unsere Gesellschaft im Land Brandenburg in zehn, 20 Jahren vor?, lauteten diese in verknappter Form. Statt konkreter Antworten schickte Platzeck einen Eigenbeitrag.

 

Der 2. Ball des Gubener Ehrenamtes am heutigen Freitag beginnt um 19 Uhr in der Alten Färberei.

mic

 

 

Auszug aus der Lausitzer Rundschau am 22. November:

 

Gubener Vereinsmitglieder für Engagement ausgezeichnet

 

Guben Acht Gubener sind am Freitagabend für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet worden. In verschiedenen Vereinen kümmern sie sich um das gesellschaftliche Miteinander in der Stadt.

 

Michael Schneider: Seit 25 Jahren ist er bei der Freiwilligen Feuerwehr Guben. Als Ortswehrführer von Groß Breesen war er während der Hochwasser im Dauereinsatz. Auch beim Ball hatte er seinen Funkpieper dabei. Im Notfall hätte er schnell zum Einsatzort fahren müssen. [...]

 

 

Die Lausitzer Rundschau machte am 14. Dezember Michael Schneider zum "Menschen des Monats":

 

Ein Vierteljahrhundert für die Feuerwehr

 

Groß Breesen Seit einem Vierteljahrhundert ist Michael Schneider in der Groß Breesener Feuerwehr aktiv, seit Herbst 2008 steht er als Ortswehrführer an ihrer Spitze. Für sein langjähriges Engagement wurde der 39-Jährige vor wenigen Wochen beim Ball des Gubener Ehrenamtes ausgezeichnet.

 


Seit 25 Jahren Feuerwehrmann in Groß Breesen: Ortswehrführer Michael Schneider mit Tochter Sarah, im Fahrzeug Thorsten Weichert, einer von zwei Stellvertretern Schneiders.
Foto: Engelhardt/ten1

 

»Seit 1985 bin ich offiziell aktives Mitglied der Feuerwehr, aber eigentlich habe ich sogar noch früher begonnen in der Jugendfeuerwehr«, blickt Schneider zurück. »Als Kind war es die Technik, die mich fasziniert hat, aber auch das Ansehen, das Feuerwehrleute genossen haben.« Das sei heute ab und zu anders. Da gebe es auch schon mal Meckerer, wenn die Wehr bei ihrer Ausbildung, die alle 14 Tage stattfindet, vielleicht ein bisschen im Weg steht.

 

Die Zahl seiner persönlichen Einsätze hat Michael Schneider nicht gezählt. An den Allerersten kann er sich aber noch erinnern: »Das war ein großer Waldbrand im Raum Spremberg und Weißwasser.« Dafür weiß der Ortswehrführer exakt, wie viele Einsätze die Groß Breesener im Jahr 2010 bisher hatten: »Die Feuerwehr Guben ist bisher insgesamt zu 160 Einsätzen ausgerückt, wir Groß Breesener waren bei 39 dabei.« Dabei ist es kein Zufall, dass Schneider zunächst die Gesamtzahl nennt: »Wir sehen uns stets als gesamte Wehr. Insgesamt gehören zur Freiwilligen Feuerwehr Guben drei Löschzüge. Zwei sind im Bereich Guben-Mitte angesiedelt, den Dritten bilden wir zusammen mit den Kameraden in Bresinchen«, erläutert Schneider.

 

20-Stunden-Einsatz

 

Zu den wichtigsten Einsätzen des Jahres gehörten auch für die Groß Breesener die beiden Hochwasser. »Da sind manche Kameraden 20 Stunden am Stück draußen gewesen.« Doch auch ein schwerer Unfall im August zwischen Bresinchen und Steinsdorf zählte dazu. »Es war mitten in der Nacht, wir mussten eine Person aus einem Auto befreien.« In solchen Fällen kommt das hydraulische Rettungsgerät mit Schere und Spreizer zum Einsatz. »Ich bekomme die ersten Informationen schon auf meinen Pieper. Auf der Anfahrt versuche ich dann, mich auf den Einsatz vorzubereiten. Klar, da steigt auch der Puls«, beschreibt Michael Schneider. Wichtig ist ihm aber nicht nur die Vor- sondern auch die Nachbereitung. »Egal wie spät es ist: Nach dem Einsatz treffen wir uns alle noch einmal und werten die Ereignisse aus.«

 

13 aktive Kameraden zählt die Groß Breesener Feuerwehr. Um Wehrführer werden zu können, absolvierte Michael Schneider an der Landesfeuerwehrschule in Eisenhüttenstadt die Ausbildung zum Gruppenführer. »Mit der Übernahme der Leitung habe ich jetzt auch mehr organisatorische Aufgaben zu erfüllen«, sagt Schneider.

 

Einsichtiger Arbeitnehmer

 

Was die Einsatzbereitschaft der Groß Breesener Wehr betrifft, sei diese abends und an den Wochenenden gegeben. Unter der Woche sehe das aber manchmal anders aus. »Unsere Leute sind ja arbeiten, manche ein Stück weit weg von Groß Breesen. Ein Kamerad ist beispielsweise Fernfahrer, der steht dann natürlich nicht zur Verfügung.« Er selbst habe es in der Hinsicht günstiger. Schneider arbeitet in Guben als Fliesenleger. »Mein Arbeitgeber hat mir den Lehrgangsbesuch ermöglicht und zeigt auch bei Einsätzen viel Verständnis.«

 

Seit 1993 wohnt Michael Schneider im fünf Kilometer entfernten Sembten. »Ich werde aber immer in Groß Breesen Feuerwehrmann bleiben.« Zur Familie gehören neben seiner Frau die Kinder Sarah und Leon. Die elfjährige Sarah will selbst zwar keine Feuerwehrfrau werden, weiß aber, was zu tun ist, wenn Papa alarmiert wird. »Ich bringe ihm dann Pieper und Handy, während Mutti schon das Hoftor öffnet.«

 

Die Auszeichnung beim Ball des Ehrenamtes betrachtet Michael Schneider als ein Dankeschön. Thorsten Weichert, einer von zwei Stellvertretern Schneiders, sagt: »Das war eine gute Wahl. Wir sind jetzt eine sehr gute Truppe.« Eines, sagt Michael Schneider, sei ihm aber viel wichtiger: »Das sind die Menschen, die hinter uns stehen, unsere Frauen und Familien. Ohne deren Verständnis wäre das alles gar nicht möglich.«

 

Von Thomas Engelhardt / ten1